Startseite News

Die Kunst, sich selbst und andere zu führen

Karsten Brand ist Geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Heimeier & Partner in Stuttgart.

 

Zusammenfassung eines Vortrags von Karsten Brand beim Verband Kommunaler Unternehmen e. V. (VKU), Stuttgart, 22. Februar 2018 

Zusammenfassung: Führung ist ein vielfältiger Begriff mit vielen Bedeutungen. Sich selbst führen besteht zunächst einmal daraus, (eigene) Emotionen zu erkennen und zuzulassen. Dann kommt die Frage: „Was ist die Wahrheit, die Realität?“ Es geht um Courage und eigene Überzeugungen. Wer andere führen will, muss Berechenbarkeit und Vertrauen produzieren, er muss wirksame Führung ausüben und dabei Ziele setzen und muss mit Entschlossenheit führen. 

Was ist Führung? Woraus besteht der Begriff Führung? 

Ein DAX-Konzern betrügt 11 Millionen Kunden. Eine Dame, die im Vorstand den Bereich Compliance vertreten sollte, wird nach einem Jahr weggeschickt; für ihre Arbeit hat sie ein angemessenes Gehalt bezogen. Als Abfindung erhält sie 11 Millionen Euro. Sie ist Sozialdemokratin, genau wie große Teile des Aufsichtsrates dieser Firma, die auch gleichzeitig der IG Metall angehören. Die Mehrzahl der Arbeiter ist ebenfalls in der IG Metall, die regelmäßig für deren Lohnerhöhungen kämpft. Andere Eigentümer sind u. a. eine weit verzweigte Familie mit unterschiedlichen Zielen.

Der Präsident eines großen Fußballclubs wird rechtskräftig wegen einer Straftat verurteilt. Er geht ins Gefängnis und wird nach Verbüßung seiner Haftstrafe wieder in seiner alten Funktion eingesetzt. Im Aufsichtsrat dieses Clubs sitzen Vorstandsvorsitzende von DAX-Konzernen; sie reagieren nicht und kommentieren nicht. 

Dies sind zwei aktuelle Beispiele für schlechte Führung, vor allem aber für schlechte Haltung. 

Immer wenn ich an Führung denke, denke ich an den ermordeten Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen. Er verfügte über Souveränität, Auftreten, Format nach innen und nach außen. Ferner war er ein strategischer Kopf und er hatte eine erhebliche Portion an Gestaltungswillen und Führungsanspruch: „Ich kann und ich will. Macht muss man auch wollen.“

Joachim Löw ist ein weiteres Beispiel gelungener Führung. Ihm gelang es, eine Gruppe von Individualisten auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören – Weltmeister werden – und es erfolgreich zu erreichen. Ob auch die Titelverteidigung gelingt? 

Ein drittes Beispiel ist das neue Logo der Lufthansa seit Anfang 2018. Was verbinden wir damit? Neuaufbruch, von oben verordnet? Bruch mit Traditionen? Oder deren Fortführung? Hier geht es nicht um eine Gruppe, sondern um einen Konzern mit 120.000 Mitarbeitern. 

Sich selbst führen, heißt Emotionen zulassen. Jeder sei sein eigener Chairman, dieses Idiom nach Ruth Cohm gibt eine gute Erklärung. Wo Menschen sind, sind Emotionen. Der bekannte Dramatiker Tankred Dorst sagte einmal: „Wer lebt, stört.“

Wir alle entwickeln uns weiter, fachlich, vor allem aber persönlich, im privaten Umfeld, aber auch am Arbeitsplatz und in unserer Aufgabe. 

Erkenne, was die Wahrheit ist: Christian Lindner im November 2013 auf der Jahresveranstaltung von Dr. Heimeier & Partner, sechs Wochen nach der verlorenen Bundestagswahl: „Meine Partei hat vom Wähler den Auftrag zur Erneuerung erhalten. Wir werden die nächsten vier Jahre dazu nutzen“. 

Der Gegensatz ist Angela Merkel am Tag nach der verlorenen Bundestagswahl 2017: „Ich sehe nicht, was wir anders machen sollten.“

Andere führen erfordert Berechenbarkeit und Vertrauen (in beide Richtungen). Hier zitieren wir wiederum Alfred Herrhausen: „Wir müssen sagen was wir denken. Wir müssen tun was wir sagen. Wir müssen sein was wir tun.“ So werden und sind wir berechenbar in unserem Umfeld gegenüber Mitarbeitern, Kollegen, Kunden und Eigentümern und allen anderen stakeholdern. 

Sagen was wir denken: „In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nie eintreten.“ Tun was wir sagen …

Wirksame Führung nach Malik. In schwierigen Situationen hilft es fair und fest zu sein. Ich behandele andere unter Berücksichtigung ihrer Gesichtspunkte. Wenn ich meinen Entschluss gefasst habe, wird dieser dann ohne weitere Diskussion umgesetzt. 

Straff-lockere Führung, dies ist ein bekannter Begriff nach Peters/Waterman. 

Weitere Informationen zum Vortrag erhalten Sie unter brand@heimeier.de oder telefonisch unter 0711 78076-32.