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Ein ungewöhnliches, etwas „anderes“ Suchmandat: Geschäftsführer (m/w) für ein Frauenkloster

Sascha Tillmanns ist Partner/Gesellschafter bei Dr. Heimeier und Partner in Stuttgart.

Dass man während seiner täglichen Personalberatungsarbeit durchaus auf erlernte Studieninhalte zurückgreift, ist für viele meiner Berufskollegen eine Selbstverständlichkeit. Für mich dagegen ist es eher die Ausnahme, denn streng genommen lernt man als Betriebswirt in der Tat so gut wie nichts über geistliche Abläufe in Stiftungen und Verbänden. So trafen für mich vor gut zwei Jahren zwei Welten aufeinander, die es zu vereinen galt. Ein Reiz, insbesondere wenn es um ein Mandat geht, bei dem trotzdem die eigenen akademischen Wurzeln tatsächlich gefragt sind. Die Beauftragung, bei der Suche und Auswahl des neuen Geschäftsführers (m/w) beratend mitzuwirken, war aus diesem Grund eine höchst willkommene Abwechslung für mich.

Mit einer mehr als hundertjährigen Tradition und Geschichte agiert die Klostergemeinschaft, eingebettet in eine Stiftung, sehr verantwortungsvoll als soziales und kirchliches Unternehmen in Süddeutschland. Professionell geführt und wirtschaftlich gesund, wollen sie den Menschen in einer Teilregion Süddeutschlands ein innovativer, verlässlicher und fürsorgender Partner sein.

Für diese Herausforderung suchten wir – im Zuge der neu geschaffenen Aufgabe im Prozess der Umgestaltung des Zukunftskonzepts – eine fachlich und menschlich überzeugende, katholische Führungspersönlichkeit als Geschäftsführer (m/w). Die Zielsetzung war es, das gesunde Unternehmen im nächsten Jahrzehnt gesamtverantwortlich zu leiten und zukunftsorientiert auszurichten– jeweils in enger Abstimmung mit dem Träger. Mit unternehmerischer Einstellung und pragmatischer Erfahrung war unser/e Wunschkandidat/in Vertreter/in gegenüber Politik, Kommune, Kirche und Gesellschaft und kümmerte sich um ein langfristiges Finanzierungs-, Vermögens– und Immobilienmanagement. Er/Sie steuerte die interne Ressourcenbeschaffung und setzte zukunftsorientierte Impulse für die strategische Ausrichtung des Frauenklosters und dessen Beteiligungen mit dem Ziel, die Zukunftssicherung nachhaltig zu stärken. Dazu gehörten neben der motivierenden Führung und Förderung der Mitarbeiter/innen auch die regelmäßige Berichterstattung und enge Zusammenarbeit mit dem Trägergremium.

Gesucht wurde eine integrative, umsetzungsstarke und teamorientierte Persönlichkeit – möglichst gegen Ende einer erfolgreichen Karriere – mit entsprechender Hochschulausbildung (idealerweise Studium der Theologie), Führungserfahrung und der Fähigkeit, sich in die vielfältigen Aufgaben eines sozialen kirchlichen Umfelds einzuarbeiten. Die Identifikation mit dem Leitbild unseres Mandanten und dessen spirituellen Werten sollte unser/e Idealkandidat/in mit Verhandlungsgeschick, Durchsetzungskraft, Leidenschaft und dem Vermögen, in einem kirchlich geprägten Lebensraum klare betriebswirtschaftliche Prioritäten zu setzen verbinden. Insgesamt lag der Fokus auf einem/einer erfahrenen Geschäftsführer/in mit Engagement, Innovationsfreude, Kreativität und einem Gespür für das Machbare, – eine Person, die mit den Schwestern des Frauenklosters die Zukunft gestaltet.

Folglich war es auch richtig, in der Suchmethodik von klassischen Direktansprachen abzusehen und ausschließlich über unser verbindliches Netzwerk, einer Fachzeitschrift, einem regionalen Printmedium und zwei gezielt ausgewählten Online-Stellenbörsen entsprechend geeignete Kandidaten/innen breit anzusprechen.

Das Echo der anonymen „Anzeigenkampagne“ ausschließlich mit dem Logo von Dr. Heimeier & Partner war höchst zufriedenstellend: Rund 100 Bewerber/innen aus Industrie, Dienstleistung, öffentlichen Einrichtungen und sozialen Institutionen sandten uns ihre Unterlagen zu. Trotz unterschiedlicher Herkunft hatten sie alle eines gemeinsam: den Wunsch, ihre kaufmännische Expertise und ihre bisherige Managementerfahrung, in eine für sie zumeist komplett „andere Welt“ einzubringen. Der Erfolg der Anzeige und unsere Netzwerkkontakte waren für meinen Klienten beruhigend und ermutigend zugleich, denn die Zusammenarbeit mit einem Personalberater war ein absolutes Novum.

Mit den bevorstehenden Interviews und Auswahlgesprächen begann nun für mich die eigentliche Herausforderung. Neben der gründlichen Prüfung der für die Geschäftsführerposition essentiellen Kenntnisse und Erfahrungen hatte ich ganz besondere Ansprüche an die Persönlichkeit und individuelle Motivation der Kandidaten/innen zu stellen. Wie überzeugend gelingt es einer gestandenen Führungskraft, die Brücke zwischen fachlichem Erfolgsanspruch und emotionaler Verbundenheit zu einem Frauenkloster zu bauen. Es waren also Eignungsinterviews der etwas anderen Art, die auf mich zukamen, denn es handelte sich zu einem großen Teil um die persönliche Auseinandersetzung mit dem Glauben. Es ging in diesen Punkten nicht nur um Leistungen, sondern auch um Überzeugungen, die beurteilt werden mussten, und zwar im Einklang mit den Anforderungen für die ausgeschriebene Position. So ergaben sich spannende und hoch interessante Diskussionen mit Menschen, die nun über Inhalte sprechen mussten.

Die vier präsentierten Endkandidaten/innen hatten alle hauptberufliche Erfahrung im karitativen, sozialen oder kirchlichen Bereich gesammelt. Alle Kandidaten/innen verfügten über die von uns erwartete richtige Mischung aus breiter fachlicher Erfahrung, langjähriger Führungsverantwortung, Geschäftssinn, Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche sowie starker Identifikation mit den Zielen des Frauenklosters. Die Personalfindungskommission machte es sich daher auch nicht leicht, die richtige Person auszuwählen.

Schließlich fiel die Wahl auf eine integrative Führungskraft aus dem sozialen Umfeld mit entsprechendem kirchlichem Hintergrund. Ein strategischer Theologe, der mit viel Erfahrung und Reife sowie als verantwortungsvolle, entschlussfreudige, pragmatische und zupackende Führungspersönlichkeit auf Augenhöhe mit dem fachlichen Rüstzeug, der Hinterfrager, Gestalter und Macher gleichzeitig ist. Er tauschte seine weiteren Karriereambitionen und die damit verbundenen finanziellen Perspektiven ein gegen den Wunsch, die Zukunft des Frauenklosters aktiv mitgestalten zu wollen. Eine Lösung, die alle Parteien mehr als zufrieden stellte.

Dieses Suchprojekt, das von der Schaltung der Anzeige bis zur endgültigen Entscheidung knapp 12 Wochen dauerte, hat mir sehr viel Freude bereitet. Die Zusammenarbeit mit den diversen Gremien, dem Schwesternrat und der Personalfindungskommission war geprägt von gegenseitigem Vertrauen, Offenheit, Humor und tiefen Einblicken in das Wirken der Klostergemeinschaft. Wir hatten vor allem begeisterte und hoch motivierte Kandidaten/innen; was in uns die Überzeugung hinterließ, dass karitative Arbeit, Nächstenliebe und soziale Verantwortung für viele Menschen noch immer höchst erstrebenswerte Ziele sind.

Sascha Tillmanns ist Partner/Gesellschafter bei Dr. Heimeier und Partner in Stuttgart. Sie erreichen ihn unter tillmanns@heimeier.de